Qualität

In der Uhrenmanufaktur Lehmann — Geschäftsführer Markus Lehmann erklärt, wie viel Leica DNS in den neuen Uhren steckt.

Herr Lehmann, wie sind Sie und Leica zusammengekommen?

Als Leica das Projekt Uhr vor ein paar Jahren startete, wurde ich angesprochen, ob ich grundsätzlich Interesse hätte, dabei mitzuwirken. Nach den ersten Treffen hat sich schnell abgezeichnet, dass eine fruchtbare Zusammenarbeit entstehen könnte.

Was bedeutet Ihnen die Zusammenarbeit?

Vor diesem Projekt haben wir für Leica bereits Präzisionsmaschinen gebaut. Für mich ist es natürlich sehr interessant, in zwei so unterschiedlichen Bereichen mit Leica zu tun zu haben. Das Uhrenprojekt ist mir wirklich eine Herzensangelegenheit, da es gelungen ist, ein sehr partnerschaftliches Miteinander zu entwickeln. Es haben sich im Laufe der letzten beiden Jahre immer mehr Gelegenheiten ergeben, die Zusammenarbeit zu intensivieren.

Die Werke für die Leica Uhr sind eine Eigenentwicklung. Was ist so besonders daran?

Die Leica Uhr hat einzigartige Features, die man mit herkömmlichen Werken, die auf dem Markt angeboten werden, nicht realisieren konnte. Es ist mit dieser Entwicklung eine Uhr entstanden, die die DNS von Leica transportiert, aber eigenständig im Design und in der Ausführung ist. Auf dem Markt wird die Leica Uhr wirklich etwas Besonderes sein. Handwerklich herausfordernd waren sowohl die Konstruktion als auch die Herstellung der diversen Teile, die es so bisher nicht gab. Wir haben – nur als ein Beispiel – die patentierte Drückerkrone mit separater Positionsanzeige auf dem Ziffernblatt. Die wiederum ist gekoppelt mit der Nullstellung des Sekundenzeigers. Wir haben das ganze Design der Werkteile der Uhr entworfen, der Großteil wird bei uns gefertigt. Wir machen die Oberflächenbearbeitung, die Montage und die Einregulierung des Werkes. Es ist ein großer Vorteil, dass wir nahezu alle Teile der Leica Uhr im Haus fertigen können, auch die Gehäuse, Ziffernblätter und Zeiger.

Die Leica Uhr besitzt einzigartige Features, die man mit Werken, wie sie auf dem Markt erhältlich sind, nicht realisieren konnte.

Was hat es mit der patentierten Drückerkrone auf sich?

Normalerweise ist es so, dass die Krone der Uhr leicht herausgezogen wird, um von der Aufzugs- in die Zeigerstellung zu kommen. In der einen Position zieht man die Uhr auf, in der anderen stellt man den Zeiger. Meist ist noch die Datumschnellschaltung integriert. Bei der Leica Uhr ist das anders. Hier funktioniert das über eine Drückerkrone, die ähnlich wie bei einem Chronographen mit einem Schaltrad gekoppelt ist. Drückt man die Krone, wird die kleine Zustandsanzeige auf dem Ziffernblatt, die sonst weiß ist, rot. Bei diesem Mechanismus wird das Datum mit einem weiteren Datumsdrücker verstellt. Es war durchaus eine Herausforderung für uns, diese Funktionen in das Werk zu integrieren.

Man ist versucht zu sagen, dass es Uhren wie Sand am Meer gibt – selbst im hochpreisigen Segment. Was ist das Besondere an den Leica Uhren, oder anders gefragt, was macht eine Uhr zu einer Leica Uhr?

Neben den neuen Funktionen, die ich beschrieben habe, hebt sich das Design der Uhr von anderen auf dem Markt ab. Das ist das, was ich mit der DNS von Leica meinte. Als Beispiel: Die Form des Gehäuses erinnert durchaus an das einer Kamera. Auch die Gangreserveanzeige hat leichte Anlehnungen an Funktionen der Kamera. Sie erinnert mit den Flügelscheiben an die Blende. Ist die Uhr voll aufgezogen, ist sie offen und weiß, ist sie abgelaufen ist sie geschlossen und schwarz. Die Drückerkrone könnte man durch die Art der Bedienung mit dem Auslösen beim Fotografieren vergleichen. Alles in allem war die Idee des Designers, eine technische Uhr zu entwerfen, die dennoch schmückt. Das ist nach meiner Einschätzung gut gelungen.

Im Produktdesign gibt es ja diesen berühmten Satz, form follows function. Wie verhält es sich damit aus Ihrer, der eher handwerklichen Perspektive bei Uhren?

Die Zusammenarbeit war in diesem Punkt von Anfang an sehr gut. Was die Uhr für Funktionen haben sollte, wurde vorab von Leica vorgeschlagen, etwa die Gangreserveanzeige oder auch die zweite Zeitzone in der L2 sowie die Verwendung der Drückerkrone. Das Design wurde dann in groben Zügen entsprechend entworfen und ich habe geprüft, ob und auf welche Weise das in der Uhr realisierbar ist. Was möglich war, das haben wir gemacht, sonst wurde nachjustiert. So sind die beiden Modelle entstanden. Es muss zum einen im Uhrwerk technisch sinnvoll sein, andererseits muss auch die Fertigung der Uhrenteile gut umsetzbar sein.

Wie viel „Lehmann“ steckt in einer Leica Uhr?

Da meine Firma von Anfang an bei der Entwicklung der Leica Uhr dabei war, ist sehr viel Lehmann in der Uhr. Wir haben viele Muster entworfen, gefertigt und getestet, bis wir das Endergebnis vorstellen konnten. Es ist mir ein echtes Anliegen, eine richtig gute und besondere Uhr mit Leica auf den Markt zu bringen. Seit einigen Jahren stellen wir ja selbst Lehmann Uhren her, auf die ich sehr stolz bin und die unsere Kompetenz in der Uhrenherstellung begründen. Mit der Leica Uhr schaffen wir nun eine Kooperation, die beiden Marken und Unternehmen gut tun kann und die weitere Entwicklung fördert. Ich freue mich auf eine Zukunft mit beiden Marken – so verschieden sie auch sind.

Markus Lehmann - Das Stammhaus Lehmann Präzision fertigt Präzisionsbauteile und -maschinen für die Uhren-, aber auch für die optische Industrie, und seit 2011 eigene Uhren.